Die Heilpraktiker-Ausbidung in Deutschland

Was ist ein Heilpraktiker?
Wikipedia umschreib das so:
Als Heilpraktiker (als Begriff zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgekommen und 1928 allgemein eingeführt) wird in Deutschland bezeichnet, wer die Heilkunde berufs- oder gewerbsmäßig ausübt, ohne als Arzt oder Psychologischer Psychotherapeut approbiert zu sein.“

Es gibt es in Deutschland keine staatliche Anerkennung für den Heilpraktikerberuf. Heilpraktiker kann man nur „lernen“ in privaten Unternehmen und privaten Instituten. Dabei dauern die Ausbildungen zwischen 10 und 24 Monaten. Zudem werden im Internet diverse Online-Kurse zum Heilpraktiker angeboten, diese Online-Kurse, bzw. deren Teilnahme kosten ca. 1000 Euro.

Da Heilpraktiker kein Ausbildungsberuf ist, muss derjenige, der sich für den freien Heilberuf entscheidet auch die Kosten für die Ausbildung tragen. Die Kosten einer 10-24 monatigen Ausbildung schwankt zwischen 3000 und 8000 Euro, die der Kursteilnehmer aus eigener Kasse tragen muss. Diese Ausbildung gilt nicht als genehmigt vom Arbeitsamt und daher gibt es auch keine Kostenübernahme und keine Zuschüsse.

Letztendlich gibt es in Deutschland eine Heilpraktiker-Prüfung, die sich noch nicht mal mit dem Grundwissen einer Krankenschwester-Helferin messen lassen kann. Sicherlich sind berufliche Erfahrungen aus dem medizinischen Bereich vorteilhaft. Doch auch wer bisher noch keine Erfahrungen und Kenntnisse auf diesen Gebieten hat, kann eine Ausbildung beginnen.

Die Prüfung ist beim regional zuständigen Gesundheitsamt und für die Erteilung der Erlaubnis, als Heilpraktiker tätig zu sein, ist das erfolgreiche Bestehen der mündlichen und schriftlichen Überprüfung durch den Amtsarzt des regional zuständigen Gesundheitsamtes notwendig. Für die Überprüfung werden derzeit von 200 bis zu 600 Euro in Rechnung, je nach Bundesland, gestellt.

Die Überprüfung über das örtliche Gesundheitsamt dient der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit einzelner Bürger und der Bevölkerung. Laut Heilpraktikergesetz muss also der Frage nachgegangen werden, ob die Zulassung eines Antragstellers eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde.

Die Überprüfungen bestehen aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil, für den nur die Bewerberinnen und Bewerber zugelassen werden, die den schriftlichen Teil bestanden haben.

Die schriftliche Prüfung:

  • Berufs- und Gesetzeskunde einschließlich rechtliche Grenzen der Ausübung der Heilkunde ohne Approbation als Arzt
  • Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden des Heilpraktikers
  • Grundkenntnisse der Anatomie, pathologischen Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie
  • Grundkenntnisse in der allgemeinen Krankheitslehre, Erkennung und Unterscheidung von Volkskrankheiten, insbesondere der Stoffwechselkrankheiten, der Herz- Kreislaufkrankheiten, Neubildungen sowie psychischer Erkrankungen
  • Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohlicher Zustände
  • Praxishygiene, Desinfektion und Sterilisation
  • Deutung grundlegender Laborwerte.

Für die Beantwortung der insgesamt 60 Fragen (im Antwort-Wahl- Verfahren, in englisch Multiple-Choice genannt) stehen zwei Zeitstunden zur Verfügung. Mindestens 45 Fragen (75 Prozent) müssen zutreffend beantwortet werden, um zum mündlichen Teil der Überprüfung zugelassen zu werden.

Die mündliche Prüfung:

Der mündliche Teil der Überprüfung, über ein Amtsarzt-Gespräch, dauert in der Regel etwa 45 Minuten und erstreckt sich auf die bereits erwähnten Sachgebiete, aber auch auf den Ausschluss von Gefahren bei der Technik der Anamneseerhebung, Methoden der unmittelbaren Krankenuntersuchung (Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, Reflexprüfung, Puls- und Blutdruckmessung), Injektions- und Punktionstechniken sowie Therapieverfahren.

Summa summarum kann ein nach diesen lappidaren Prüfungskriterien in Deutschland zugelassener Heilpraktiker dann mit kranken Patienten „arbeiten“, wie ein „kleiner Arzt“.

Das Wissen, was dagegen ein Human-Mediziner sich im Studium und im praktischen Jahr aneignen muss, nimmt mindestens 6 Jahre in Anspruch und eine anschließende Facharztausbildung kann noch mal mehrere zusätzliche Ausbildungsjahre erfordern.

Letztendlich sind auch Kenntnisse mit und über Naturheilverfahren für einen Heilpraktiker kein Ersatz für studienmäßig angeeignetes human-medizinisches Wissen. Dennoch können natürlich Kenntnisse über Naturheilverfahren jedem Human-Mediziner weitere und ergänzende Behandlungsmethoden eröffnen.

Wer also zum Heilpraktiker geht, sollte sich im Klaren sein, dass das kein Ersatz für einen Arztbesuch sein kann und dass das Wissenspotential der deutschen Heilpraktiker extrem unterschiedlich ist, allein schon, wegen fehlen einer verbindlichen Ausbildungsrichtlinie.

In Deutschland gibt es etwa 45.000 Heilpraktiker  und 13 einzelne Verbände in denen die meisten Heilpraktiker organisiert sind. Dabei reicht das Spektrum vom „Allgemeinen Deutscher Heilpraktikerverband e. V.“ … bis zum „Verband Unabhängiger Heilpraktiker e. V.“ und zur „Vereinigung Christlicher Heilpraktiker“.

In vielen europäischen Ländern ist die Ausübung der Heilkunde ausschließlich Ärzten vorbehalten. So sieht es beispielsweise bei unseren Nachbarn aus:

  • In der Schweiz existiert ein entsprechendes Berufsbild. Das SBFI hat am 28. April 2015 eine Genehmigung erteilt für die Höhere Fachprüfung für Naturheilpraktikerin und Naturheilpraktiker.

  • In Österreich ist die Ausübung der Heilkunst ausschließlich den Ärzten und – beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie – den Psychotherapeuten vorbehalten. Die Ausübung des Berufes des Heilpraktikers sowie die Ausbildung dazu ist in Österreich durch das Ärztegesetz bzw. das Ausbildungsvorbehaltsgesetz[4] verboten und strafbar. Diese Regelung wurde bereits vom Europäischen Gerichtshof geprüft und als EU-rechtskonform bestätigt.

  • Heilpraktiker in Großbritannien haben eine andere Ausbildung, man ist da spezialisiert auf einen Bereich z. B. Akupunktur oder Homöopathie.

  • Das Heilpraktikergesetz ist ein rein deutsches Gesetz und trotz europäischer Abkommen über Berufsausbildung bisher in anderen europäischen Ländern nicht offiziell anerkannt. Meist zwar geduldet, aber eben ohne rechtliche Grundlage!
    Das bedeutet nicht, dass man dort nicht arbeiten darfst, aber es gibt eben keine gesetzliche Grundlage und auch keinen Schutz. So ist es in einigen europäischen Ländern möglich sich Heilpraktiker, Homöopath oder wie auch immer zu nennen ohne jemals eine Ausbildung gemacht zu haben. Solange dann alles gut geht, gibt es keine Probleme, aber wehe es passiert etwas….

  • In Spanien, Griechenland, Italien und der Türkei wird die Berufsausübung als Heilpraktiker geduldet, eine staatliche Ausbildungsrichtlinie und ein juristischer Anspruch besteht allerdings nicht.

Ach und übrigens:

Auch anerkannte Ausbildung zum Tierheilpraktiker gibt es nirgends in Europa, der Begriff ist zur Zeit auch nirgends gesetzlich geschützt! Also kann das jeder ausüben und anbieten, solange nichts Fehlerhaftes und Schlimmes an Behandlungsfehlern vorzufinden ist. Dann geht es um Schadensersatz, wenn nicht sogar um strafrechtliche Verfolgung.

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